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Resistenzlocus Run1 gegen Oidium

Run1 = Resistance to Uncinula necator 1

Run1
Resistance to Uncinula necator 1
Krankheit
Oidium (Echter Mehltau)
Erreger
Erysiphe necator
Chromosom
12
Herkunft
Muscadinia rotundifolia
Resistenztyp
starke, dominant vererbte Resistenz
Schutzwirkung
sehr hoch
Kombiniert mit
Ren1, Ren3 oder weitere Oidium-Resistenzloci

Run1 ist ein sehr wirksamer Resistenzlocus gegen den Echten Mehltau der Rebe (Oidium). Er stammt aus der nordamerikanischen Wildrebe Muscadinia rotundifolia und vermittelt eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Erreger Erysiphe necator.

Im Gegensatz zu vielen Resistenzloci mit nur teilweiser Wirkung kann Run1 die Entwicklung des Pilzes bereits in einem frühen Stadium stark begrenzen. Der Locus zählt deshalb zu den bedeutendsten bekannten Resistenzquellen gegen Oidium und wird gezielt in der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten eingesetzt.

Herkunft

Run1 stammt aus Muscadinia rotundifolia, einer in Nordamerika heimischen Wildrebe. Diese Art besitzt eine ausgeprägte natürliche Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedenen Krankheitserregern der Rebe. In älteren Veröffentlichungen wird sie häufig als Vitis rotundifolia bezeichnet.

Die Übertragung von Run1 in die europäische Kulturrebe Vitis vinifera war züchterisch anspruchsvoll, da sich Muscadinia rotundifolia genetisch deutlich von der europäischen Weinrebe unterscheidet (Vitis vinifera hat einen Chromosomensatz von 2n=38 und Muscadinia einen Chromosomensatz von 2n=40). Durch wiederholte Rückkreuzungen konnten Reben entwickelt werden, die einen hohen Anteil an Vitis vinifera besitzen und gleichzeitig die Oidiumresistenz von Run1 tragen.

Run1 liegt auf Chromosom 12. In demselben Chromosomenbereich befindet sich auch der aus Muscadinia rotundifolia stammende Peronospora-Resistenzlocus Rpv1. Beide Resistenzloci werden daher häufig gemeinsam vererbt.

Wirkungsweise

Run1 ermöglicht der Rebe, den Oidiumerreger bereits kurz nach dem Eindringen in das Pflanzengewebe zu erkennen. Daraufhin werden starke natürliche Abwehrreaktionen ausgelöst. Zellen im unmittelbaren Bereich der Infektionsstelle können gezielt absterben und dem Pilz dadurch die Grundlage für seine weitere Entwicklung entziehen.

Diese Abwehr wird als hypersensitive Reaktion bezeichnet. Sie begrenzt die Infektion auf einen sehr kleinen Bereich und kann verhindern, dass sich größere Pilzkolonien bilden. Das Wachstum der Pilzfäden und die Bildung neuer Sporen werden dadurch stark eingeschränkt.

Die Wirkung unterscheidet sich damit von vielen quantitativen Resistenzloci, welche die Entwicklung des Pilzes hauptsächlich verlangsamen. Run1 kann die Etablierung des Erregers wesentlich stärker unterdrücken.

Resistenzwirkung

Die Schutzwirkung von Run1 wird als sehr hoch eingeschätzt. Unter geeigneten Bedingungen kann der Locus die Entwicklung von Oidium nahezu vollständig unterdrücken. Run1 gehört damit zu den stärksten bekannten Resistenzquellen gegen den Echten Mehltau der Rebe.

Eine hohe Einzelgenresistenz sollte dennoch nicht mit einer dauerhaft unüberwindbaren Immunität gleichgesetzt werden. Krankheitserreger können sich langfristig verändern und an einzelne Resistenzmechanismen anpassen. Deshalb wird Run1 in modernen Züchtungsprogrammen möglichst mit weiteren, genetisch unabhängigen Oidium-Resistenzloci kombiniert.

Die Kombination mehrerer Resistenzloci soll die Dauerhaftigkeit der Widerstandsfähigkeit erhöhen und die Wahrscheinlichkeit verringern, dass der Erreger die gesamte Resistenz überwinden kann.

Verbreitung in Rebsorten

Run1 wurde über verschiedene Zuchtlinien aus Muscadinia rotundifolia in die moderne Rebenzüchtung eingebracht. Der Locus kommt insbesondere in neueren Sorten und Zuchtlinien vor, bei denen mehrere Resistenzquellen miteinander kombiniert wurden.

Zu den bekannten Rebsorten mit Run1 gehören beispielsweise:

  • Artaban
  • Floreal
  • Vidoc
  • Voltis

Quellen