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Resistenzlocus Rpv 10 gegen Peronospora


Rpv10 = Resistance to Plasmopara viticola 10

Rpv10
Resistance to Plasmopara viticola 10
Krankheit
Peronospora (Falscher Mehltau)
Erreger
Plasmopara viticola
Chromosom
9
Herkunft
Vitis amurensis
Resistenztyp
quantitative Resistenz
Schutzwirkung
hoch
Kombiniert mit
Rpv3, Rpv12 oder weiteren Rpv-Loci

Rpv10 ist ein bedeutender Resistenzlocus gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Er stammt aus der ostasiatischen Wildrebe Vitis amurensis und trägt dazu bei, die Entwicklung und Vermehrung des Erregers Plasmopara viticola deutlich einzuschränken.

Anders als die Rpv3-Haplotypen stammt Rpv10 nicht aus nordamerikanischen Hybridreben, sondern aus dem asiatischen Vitis-Genpool. Damit stellt der Locus eine genetisch eigenständige Resistenzquelle dar. Dies macht ihn besonders interessant für die Kombination mit anderen Peronospora-Resistenzloci.

Herkunft

Die ursprüngliche Resistenzquelle von Rpv10 ist Vitis amurensis. Diese Wildrebe ist im Gebiet des Amur in Ostasien verbreitet und an ein kontinentales Klima mit sehr kalten Wintern angepasst. Neben ihrer ausgeprägten Frosthärte besitzt sie eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedenen Rebkrankheiten.

Rpv10 gelangte über die Rebsorte Severnyi in europäische Zuchtprogramme. Severnyi entstand unter Beteiligung von Vitis amurensis und wurde aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit sowie seiner hohen Winterfrosthärte als Kreuzungspartner verwendet.

Über mehrere Kreuzungsgenerationen wurde der Resistenzlocus an verschiedene moderne Rebsorten weitergegeben. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Sorte Solaris. An einer Kreuzungspopulation mit Solaris wurde die Resistenz genetisch untersucht und als eigenständiger Locus beschrieben.

Rpv10 liegt auf Chromosom 9. Mithilfe eng gekoppelter genetischer Marker kann der entsprechende Chromosomenabschnitt bereits bei jungen Sämlingen nachgewiesen werden. Dadurch lässt sich Rpv10 gezielt in der Rebenzüchtung auswählen und mit weiteren Resistenzloci kombinieren.

Wirkungsweise

Bei feuchter Witterung gelangt Plasmopara viticola über die Spaltöffnungen in das Blatt. Anschließend versucht der Erreger, sich zwischen den Pflanzenzellen auszubreiten und über sogenannte Haustorien Nährstoffe aus den lebenden Zellen aufzunehmen.

Reben mit Rpv10 reagieren schneller und stärker auf diese Besiedlung. Im Bereich der Infektionsstelle werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert, welche die weitere Entwicklung des Erregers einschränken. Dadurch kann sich Peronospora weniger stark im Blattgewebe ausbreiten.

Die Abwehr kann von örtlich begrenzten Gewebereaktionen begleitet werden. Dabei können kleine nekrotische Punkte entstehen. Diese sichtbaren Reaktionen zeigen, dass die Rebe die Ausbreitung des Erregers auf einen begrenzten Bereich beschränkt.

Gleichzeitig wird die Ausbildung der weißen Sporangienträger auf der Blattunterseite vermindert. Da weniger neue Sporen entstehen, wird nicht nur die einzelne Infektion begrenzt, sondern auch die weitere Vermehrung und Ausbreitung des Erregers innerhalb des Rebbestandes erschwert.

Resistenzwirkung

Die Schutzwirkung von Rpv10 wird insgesamt als hoch eingeschätzt. In der ursprünglichen Untersuchung erklärte der Locus einen großen Anteil der beobachteten Unterschiede in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Peronospora.

Rpv10 kann sowohl die Ausbreitung des Erregers im Blatt als auch dessen Sporulation deutlich vermindern. Die tatsächliche Stärke der Resistenz wird jedoch zusätzlich durch den genetischen Hintergrund der jeweiligen Rebsorte beeinflusst. Sorten mit Rpv10 müssen deshalb nicht unter allen Bedingungen die gleiche Widerstandsfähigkeit zeigen.

Unter lang anhaltender Blattnässe und sehr hohem Infektionsdruck können auch bei Reben mit Rpv10 einzelne Symptome auftreten. Der Locus sollte daher nicht als vollständige und unter allen Bedingungen wirksame Immunität verstanden werden.

Für eine möglichst dauerhafte Widerstandsfähigkeit wird Rpv10 häufig mit weiteren, genetisch unabhängigen Peronospora-Resistenzloci kombiniert. Besonders wertvoll ist dabei die unterschiedliche Herkunft der Resistenzquellen. Die Kombination mit Loci aus nordamerikanischen Reben kann mehrere voneinander unabhängige Abwehrmechanismen in einer Sorte vereinen.

Verbreitung in Rebsorten

Rpv10 wurde über Nachkommen von Severnyi in verschiedene mitteleuropäische Zuchtprogramme eingebracht. Der Locus ist heute in mehreren pilzwiderstandsfähigen Rebsorten verbreitet.

Zu den bekannten Rebsorten mit Rpv10 gehören beispielsweise:

  • Solaris
  • Bronner
  • Baron
  • Prior

Quellen