Resistenzlocus Rpv 12 gegen Peronospora
Rpv12 = Resistance to Plasmopara viticola 12
Rpv12 ist ein sehr wirksamer Resistenzlocus gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Er stammt aus der ostasiatischen Wildrebe Vitis amurensis und ermöglicht eine schnelle Abwehr gegenüber dem Erreger Plasmopara viticola.
Der Locus kann die Ausbreitung des Erregers im Blatt und insbesondere dessen Vermehrung stark einschränken. Die Infektion wird dabei nicht zwangsläufig vollständig verhindert. Häufig bleibt sie jedoch auf kleine Bereiche begrenzt und führt nur zu einer geringen Bildung neuer Sporen.
Rpv12 stellt eine genetisch eigenständige Resistenzquelle dar. Obwohl auch Rpv10 aus Vitis amurensis stammt, liegen beide Loci auf unterschiedlichen Chromosomen und werden unabhängig voneinander vererbt.
Herkunft
Die ursprüngliche Resistenzquelle von Rpv12 ist Vitis amurensis. Diese Wildrebe ist im Einzugsgebiet des Amurflusses in Ostasien verbreitet und an kalte Winter sowie kurze Vegetationsperioden angepasst. Neben ihrer hohen Frosthärte besitzt sie natürliche Abwehrmechanismen gegenüber verschiedenen Rebkrankheiten.
Der resistente Rpv12-Haplotyp wurde bereits in frühen Kreuzungen zwischen Vitis amurensis und Vitis vinifera weitergegeben. Zu den ältesten bekannten Trägern gehören die historischen Rebsorten Zarja Severa und Michurinets. Über deren Nachkommen gelangte Rpv12 in verschiedene europäische und osteuropäische Zuchtprogramme.
Rpv12 liegt auf Chromosom 14. In diesem Bereich befindet sich eine Gruppe von Genen, die an der Erkennung von Krankheitserregern und an der Aktivierung pflanzlicher Abwehrreaktionen beteiligt sind. Der resistente Chromosomenabschnitt kann heute mithilfe genetischer Marker erkannt und gezielt in der Rebenzüchtung ausgewählt werden.
Obwohl Rpv10 und Rpv12 beide aus Vitis amurensis stammen, handelt es sich um zwei unabhängige Resistenzloci. Rpv10 befindet sich auf Chromosom 9, Rpv12 dagegen auf Chromosom 14. Dadurch können beide Resistenzquellen grundsätzlich miteinander kombiniert werden.
Wirkungsweise
Nach dem Eindringen durch die Spaltöffnungen beginnt Plasmopara viticola, das Blattgewebe zu besiedeln. Der Erreger bildet dabei spezielle Ernährungsorgane, sogenannte Haustorien, über die er Nährstoffe aus den lebenden Pflanzenzellen aufnimmt.
Bei Reben mit Rpv12 wird der Erreger frühzeitig erkannt. In unmittelbarer Umgebung der Infektionsstelle aktiviert die Pflanze eine schnelle und räumlich begrenzte Abwehrreaktion. Dabei können einzelne befallene Zellen gezielt absterben. Diese sogenannte hypersensitive Reaktion entzieht dem Erreger lebendes Pflanzengewebe und erschwert seine weitere Ausbreitung.
Die Abwehr bleibt häufig auf kleine Bereiche des Blattes beschränkt und kann als punktförmige Nekrose sichtbar werden. Im Gegensatz zu den großflächigen Ölflecken anfälliger Rebsorten entwickelt sich die Infektion dadurch meist nur begrenzt weiter.
Eine besondere Wirkung zeigt Rpv12 bei der Einschränkung der Sporulation. Die Bildung der weißen Sporangienträger auf der Blattunterseite wird stark vermindert. Da dadurch wesentlich weniger neue Sporen entstehen, wird auch die weitere Ausbreitung der Peronospora innerhalb des Rebbestandes erschwert.
Resistenzwirkung
Die Schutzwirkung von Rpv12 wird als sehr hoch, aber nicht vollständig eingeschätzt. In wissenschaftlichen Untersuchungen erklärte der Locus einen sehr großen Anteil der beobachteten Unterschiede zwischen widerstandsfähigen und anfälligen Reben.
Rpv12 kann die Entwicklung von Plasmopara viticola stark begrenzen. Eine geringe Sporulation ist jedoch weiterhin möglich. Der Locus sollte deshalb nicht als vollständige Immunität verstanden werden.
Untersuchungen zeigten, dass Rpv12 teilweise auch gegenüber Peronospora-Isolaten wirksam ist, welche die Resistenz von Rpv3 überwinden können. Die Kombination von Rpv12 und Rpv3 kann daher einen breiteren und stabileren Schutz bewirken als einer der beiden Loci allein.
Die Kombination mehrerer genetisch unabhängiger Resistenzloci erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Widerstandsfähigkeit langfristig erhalten bleibt. Der Erreger muss dabei mehrere unterschiedliche Erkennungs- und Abwehrmechanismen gleichzeitig überwinden.
Verbreitung in Rebsorten
Rpv12 wurde über frühe Nachkommen von Vitis amurensis in verschiedene europäische Zuchtlinien eingebracht. Zu den historischen Trägern des Resistenzlocus gehören Zarja Severa und Michurinets.
Über deren Nachkommen gelangte Rpv12 unter anderem in neuere pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Zu den bekannten Trägern gehören beispielsweise:
- Sauvignac
- Kozmopolita
- Petra
Da die genaue Ausstattung mit Resistenzloci nicht bei allen Sorten vollständig untersucht ist, sollte die Zuordnung weiterer Sorten möglichst anhand aktueller genetischer Analysen erfolgen.






