Resistenzlocus Rgb 1 gegen Schwarzfäule
Rgb1 = Resistance to Guignardia bidwellii 1
früher: Guignardia bidwellii
Rgb1 ist ein wichtiger Resistenzlocus gegen die Schwarzfäule der Weinrebe. Die Krankheit wird durch den Pilz Phyllosticta ampelicida verursacht, der in älteren Veröffentlichungen meist als Guignardia bidwellii bezeichnet wird. Rgb1 kann die Entwicklung des Erregers deutlich einschränken, verhindert eine Infektion jedoch nicht vollständig.
Der Locus wurde zunächst in der Unterlagssorte Börner untersucht und auf Chromosom 14 kartiert. Inzwischen wurde Rgb1 auch in mehreren weiteren genetisch unterschiedlichen Rebenlinien nachgewiesen. Dies deutet darauf hin, dass der entsprechende Chromosomenbereich eine besondere Bedeutung für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schwarzfäule besitzt.
Herkunft
Rgb1 wurde erstmals in der interspezifischen Unterlagssorte Börner kartiert. Börner entstand aus der Kreuzung Vitis riparia GM 183 × Vitis cinerea Arnold und besitzt eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegenüber Schwarzfäule.
Lange war nicht eindeutig geklärt, von welchem der beiden Elternteile der Resistenzlocus stammt. Neuere genetische Untersuchungen ordnen den Rgb1-Resistenzabschnitt dem Elternteil Vitis riparia GM 183 zu.
Vitis riparia ist eine in weiten Teilen Nordamerikas verbreitete Wildrebe. Da die Schwarzfäule ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika stammt, konnten sich dort vorkommende Wildreben über lange Zeit gemeinsam mit dem Erreger entwickeln. Einige von ihnen besitzen daher natürliche Abwehrmechanismen, die für die moderne Resistenzzüchtung genutzt werden können.
Rgb1 liegt auf Chromosom 14. Der zugehörige Genombereich wurde inzwischen mithilfe genetischer Marker genauer eingegrenzt. Dadurch kann der Resistenzabschnitt in Zuchtmaterial gezielter untersucht und bei der Auswahl widerstandsfähiger Nachkommen berücksichtigt werden.
Wirkungsweise
Der Erreger der Schwarzfäule kann junge Blätter, Triebe, Blattstiele und Beeren infizieren. Nach einer Infektion entstehen auf den Blättern zunächst meist kleine, hellbraune Flecken mit einem dunkleren Rand. Innerhalb der abgestorbenen Bereiche bildet der Pilz später kleine schwarze Fruchtkörper, die neue Sporen freisetzen können.
Bei Reben mit Rgb1 wird die Entwicklung des Erregers im Pflanzengewebe eingeschränkt. Die Widerstandsfähigkeit scheint dabei nicht auf einem einzelnen, vollständig blockierenden Abwehrmechanismus zu beruhen. Vielmehr beeinflusst der Rgb1-Bereich mehrere Vorgänge, die gemeinsam dazu beitragen können, die weitere Ausbreitung des Pilzes zu begrenzen.
Untersuchungen des Rgb1-Genombereichs weisen unter anderem auf Gene hin, die an der Reaktion auf oxidativen Stress, an Vorgängen in den Mitochondrien und an Veränderungen des pflanzlichen Leitgewebes beteiligt sein könnten. Diese Prozesse können dazu beitragen, befallenes Gewebe abzugrenzen und die Versorgung beziehungsweise weitere Ausbreitung des Erregers zu erschweren.
Die genaue Wirkungsweise von Rgb1 ist jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt. Anders als bei einigen starken Mehltauresistenzen wurde bislang kein einzelnes Resistenzgen identifiziert, das die gesamte Schutzwirkung erklärt.
Resistenzwirkung
Die Wirkung von Rgb1 kann insgesamt als mittel bis hoch eingeschätzt werden. In verschiedenen Kreuzungspopulationen zeigte der Locus einen deutlichen Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schwarzfäule. Rgb1 gilt daher derzeit als einer der wichtigsten bekannten Resistenzloci gegen diese Krankheit.
Die Resistenz ist jedoch quantitativ. Das bedeutet, dass Rgb1 die Anfälligkeit vermindert, aber keine vollständige Immunität vermittelt. Unter starkem Infektionsdruck können weiterhin Blattflecken oder andere Krankheitssymptome auftreten.
Wie stark sich Rgb1 auswirkt, hängt außerdem vom genetischen Hintergrund der jeweiligen Rebe ab. Weitere Gene und Resistenzfaktoren können die Wirkung verstärken oder abschwächen. Deshalb müssen verschiedene Rgb1-Träger nicht zwangsläufig die gleiche Widerstandsfähigkeit besitzen.
In Börner wurde neben Rgb1 auch der Resistenzlocus Rgb2 nachgewiesen. Beide Loci können gemeinsam zu einer stärkeren Gesamtresistenz beitragen. Für die Züchtung ist die Kombination mehrerer unabhängiger Resistenzfaktoren deshalb besonders interessant.
Verbreitung in Rebsorten
Rgb1 wurde zunächst in der Unterlagssorte Börner beschrieben. Spätere Untersuchungen bestätigten einen Resistenzbereich an vergleichbarer Position auf Chromosom 14 auch in weiteren, genetisch unterschiedlichen Kreuzungspopulationen.
Zu den bekannten Trägern beziehungsweise wichtigen Ausgangssorten bei der Untersuchung von Rgb1 gehören:
- Börner
- Merzling
- Villard Blanc
- Calardis Blanc
Da Schwarzfäuleresistenz bei vielen Rebsorten bisher weniger umfassend genetisch untersucht wurde als die Resistenz gegen Oidium oder Peronospora, ist die Verbreitung von Rgb1 wahrscheinlich noch nicht vollständig bekannt.






