Resistenzlocus Rpv 3.1 gegen Peronospora
Rpv3.1 = Resistance to Plasmopara viticola 3.1
Rpv3.1 ist eine wichtige Resistenzvariante gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Der Locus vermindert die Entwicklung und Vermehrung von Plasmopara viticola, verhindert eine Infektion jedoch nicht unter allen Bedingungen vollständig.
Rpv3.1 gehört zur größeren Rpv3-Locusfamilie auf Chromosom 18. Innerhalb dieses Chromosomenbereichs kommen verschiedene Resistenzvarianten vor, die sich in ihrer Abstammung und teilweise auch in ihrer Wirkung unterscheiden. Rpv3.1 wird auch als Haplotyp Rpv3 299-279 bezeichnet.
Herkunft
Nach der VIVC-Tabelle stammt Rpv3.1 ursprünglich aus Vitis rupestris. Diese nordamerikanische Wildrebe wurde bereits früh in der Rebenzüchtung genutzt und ist an trockene, warme Standorte angepasst. Neben ihrer Bedeutung für die Züchtung von Unterlagsreben brachte sie auch wertvolle Eigenschaften zur Widerstandsfähigkeit gegenüber Rebkrankheiten ein.
Der Rpv3.1-Haplotyp wurde über die historische Hybridrebe Seibel 4614 weitergegeben. Von dort gelangte er in verschiedene europäische Zuchtlinien. Auch die Sorten Regent und Bianca führen ihre Rpv3.1-Abstammung auf Seibel 4614 zurück.
Rpv3.1 liegt auf Chromosom 18. Der zugehörige Chromosomenabschnitt wird anhand charakteristischer genetischer Marker erkannt. Dadurch kann der Locus heute bereits bei jungen Sämlingen nachgewiesen und gezielt in der Rebenzüchtung ausgewählt werden.
Wirkungsweise
Nach einer Peronospora-Infektion dringt der Erreger über die Spaltöffnungen in das Blatt ein. Bei Reben mit Rpv3.1 werden anschließend verschiedene Abwehrreaktionen aktiviert. Die Pflanze versucht, die Ausbreitung des Erregers im Blattgewebe räumlich zu begrenzen und seine weitere Entwicklung zu verlangsamen.
Häufig entstehen an den Infektionsstellen kleine, örtlich begrenzte Gewebereaktionen. Dabei können einzelne Pflanzenzellen gezielt absterben. Diese Reaktion erschwert dem Erreger die Versorgung und begrenzt die weitere Besiedlung des Blattes.
Rpv3.1 wirkt jedoch nicht wie eine vollständige Barriere. Je nach Witterung, Infektionsdruck und Erregerpopulation können weiterhin Symptome auftreten. Die typischen Ölflecken bleiben häufig kleiner, während die Bildung der weißen Sporangienträger auf der Blattunterseite deutlich vermindert wird.
Resistenzwirkung
Die Schutzwirkung von Rpv3.1 kann insgesamt als hoch, aber nicht vollständig eingeschätzt werden. Der Locus reduziert insbesondere die Ausbreitung und Vermehrung des Erregers und kann dadurch den weiteren Infektionsdruck im Rebbestand deutlich verringern.
Die tatsächliche Wirkung kann zwischen Rebsorten unterschiedlich ausfallen. Neben Rpv3.1 beeinflussen auch der genetische Hintergrund einer Sorte, weitere Resistenzloci sowie Umweltbedingungen die Widerstandsfähigkeit. Unter lang anhaltend feucht-warmer Witterung und sehr hohem Infektionsdruck kann deshalb auch bei Sorten mit Rpv3.1 Peronosporabefall auftreten.
Für eine möglichst dauerhafte Widerstandsfähigkeit wird Rpv3.1 in modernen Züchtungsprogrammen häufig mit weiteren, genetisch unabhängigen Peronospora-Resistenzloci kombiniert. Dadurch soll verhindert werden, dass die gesamte Resistenz von nur einem Abwehrmechanismus abhängt.
Verbreitung in Rebsorten
Rpv3.1 ist in zahlreichen pilzwiderstandsfähigen Rebsorten verbreitet. Der Locus wurde über ältere Hybridreben in verschiedene europäische Zuchtprogramme eingebracht und gehört heute zu den häufig genutzten Resistenzquellen gegen Peronospora.
Zu den bekannten Rebsorten mit Rpv3.1 gehören beispielsweise:
- Regent
- Bianca
- Cabernet Blanc
- Cabernet Cortis
- Prior
Quellen
- VIVC – Table of Loci for Traits in Grapevine, Update 16.02.2024
- Di Gaspero et al. (2012) – Untersuchung der Abstammung und Unterscheidung der Rpv3-Haplotypen






