Resistenzlocus Rpv 3.3 gegen Peronospora
Rpv3.3 = Resistance to Plasmopara viticola 3.3
Rpv3.3 ist eine Resistenzvariante gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Der Locus unterstützt die Rebe dabei, die Entwicklung von Plasmopara viticola nach einer Infektion einzuschränken und die weitere Vermehrung des Erregers zu vermindern.
Rpv3.3 gehört zur Rpv3-Locusfamilie auf Chromosom 18. Innerhalb dieses Chromosomenbereichs existieren mehrere unterschiedliche Resistenzhaplotypen. Rpv3.3 wird anhand charakteristischer genetischer Marker auch als Haplotyp Rpv3 null-271 bezeichnet.
Untersuchungen zeigen, dass die Wirkung von Rpv3.3 nicht allein vom Resistenzlocus bestimmt wird. Auch der übrige genetische Hintergrund einer Rebsorte beeinflusst, wie schnell und wie stark die Abwehrreaktionen nach einer Peronospora-Infektion ausfallen.
Herkunft
Die Abstammung von Rpv3.3 wird auf die historische amerikanische Hybridrebe Noah zurückgeführt. Noah entstand im 19. Jahrhundert und wurde später in verschiedenen europäischen Kreuzungsprogrammen als Ausgangsmaterial verwendet.
Über Nachkommen von Noah gelangte der Rpv3.3-Haplotyp in weitere Hybridreben und schließlich in moderne pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Der Resistenzlocus blieb über zahlreiche Kreuzungsgenerationen erhalten, weil die entsprechenden Nachkommen eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Peronospora zeigten.
Rpv3.3 liegt auf Chromosom 18 im gleichen genetischen Bereich wie Rpv3.1 und Rpv3.2. Die drei Haplotypen stellen unterschiedliche Varianten desselben komplexen Resistenzbereichs dar. Sie dürfen daher nicht als mehrere voneinander unabhängige Resistenzloci betrachtet werden.
Mithilfe genetischer Marker kann Rpv3.3 bereits bei jungen Sämlingen nachgewiesen werden. Dadurch lässt sich der Haplotyp gezielt in der Rebenzüchtung erhalten oder mit weiteren Resistenzloci kombinieren.
Wirkungsweise
Nach einer Infektion breitet sich Plasmopara viticola zwischen den Zellen des Blattgewebes aus. Bei Reben mit Rpv3.3 werden daraufhin verschiedene pflanzliche Abwehrmechanismen aktiviert. Die Reaktion begrenzt die weitere Besiedlung des Blattes und erschwert die Vermehrung des Erregers.
Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Stilbene. Dies sind natürliche Abwehrstoffe der Weinrebe, die nach einer Infektion verstärkt gebildet werden können. Zu ihnen gehören unter anderem Resveratrol und weitere daraus entstehende Verbindungen mit antimikrobieller Wirkung.
Untersuchungen an Nachkommen der Kreuzung Merzling × Teroldego zeigten einen Zusammenhang zwischen Rpv3.3, der Bildung bestimmter Stilbene und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Peronospora. Eine stärkere Bildung wirksamer Stilbenverbindungen kann dazu beitragen, das Wachstum des Erregers im Blattgewebe zu hemmen.
Die Stärke dieser Reaktion hängt jedoch auch vom genetischen Hintergrund der jeweiligen Rebsorte ab. Zwei Sorten mit Rpv3.3 müssen deshalb nicht zwangsläufig die gleiche Widerstandsfähigkeit besitzen. Weitere Gene können beeinflussen, welche Abwehrstoffe gebildet werden und wie schnell die Rebe auf eine Infektion reagiert.
Resistenzwirkung
Die Schutzwirkung von Rpv3.3 kann insgesamt als mittel bis hoch eingeschätzt werden. Der Locus kann die Entwicklung und Sporulation von Plasmopara viticola deutlich vermindern, stellt jedoch keine vollständige Barriere gegen eine Infektion dar.
Unter günstigen Bedingungen und bei einer ausgeprägten Abwehrreaktion können die Symptome klein und örtlich begrenzt bleiben. Die Bildung der weißen Sporangienträger auf der Blattunterseite wird dabei häufig vermindert. Dadurch entstehen weniger neue Sporen, die weitere Blätter und Trauben infizieren können.
Bei lang anhaltender Blattnässe, häufigen Niederschlägen und sehr hohem Infektionsdruck kann jedoch auch bei Reben mit Rpv3.3 sichtbarer Peronosporabefall auftreten. Wie stark der Befall ausfällt, hängt neben dem Locus auch von der Rebsorte und der jeweiligen Erregerpopulation ab.
Für eine möglichst dauerhafte Widerstandsfähigkeit wird Rpv3.3 daher vorzugsweise mit weiteren, genetisch unabhängigen Peronospora- Resistenzloci kombiniert. Da Rpv3.1, Rpv3.2 und Rpv3.3 Varianten desselben Locusbereichs sind, stellt ihre Kombination keine klassische Pyramidisierung unabhängiger Resistenzloci dar.
Verbreitung in Rebsorten
Rpv3.3 wurde über Nachkommen der historischen Hybridrebe Noah in verschiedene europäische Zuchtlinien eingebracht. Der Haplotyp wurde unter anderem in der Rebsorte Merzling nachgewiesen und von dort an weitere Nachkommen weitergegeben.
Da ältere Untersuchungen häufig nur den übergeordneten Rpv3-Locus bestimmten, ist eine sichere Unterscheidung zwischen Rpv3.1, Rpv3.2 und Rpv3.3 nicht bei allen Rebsorten möglich. Für eine eindeutige Zuordnung sind haplotypspezifische genetische Marker erforderlich.






