Resistenzlocus Rgb 2 gegen Schwarzfäule
Rgb2 = Resistance to Guignardia bidwellii 2
früher: Guignardia bidwellii
Rgb2 ist ein Resistenzlocus gegen die Schwarzfäule der Weinrebe. Die Krankheit wird durch den Pilz Phyllosticta ampelicida verursacht, der in älteren wissenschaftlichen Veröffentlichungen als Guignardia bidwellii bezeichnet wird.
Rgb2 wurde in der Unterlagssorte Börner nachgewiesen und liegt auf Chromosom 16. Der Locus vermindert die Anfälligkeit gegenüber Schwarzfäule, vermittelt allein jedoch keine vollständige Resistenz. Seine besondere Bedeutung liegt in der ergänzenden Wirkung zusammen mit dem auf Chromosom 14 liegenden Resistenzlocus Rgb1.
Herkunft
Rgb2 wurde in der interspezifischen Unterlagssorte Börner kartiert. Börner entstand aus der Kreuzung Vitis riparia GM 183 × Vitis cinerea Arnold und besitzt eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegenüber Schwarzfäule.
Bei den ersten Untersuchungen war noch nicht eindeutig geklärt, welcher Elternteil den Resistenzabschnitt vererbt hatte. Eine 2025 veröffentlichte genetische Analyse konnte Rgb2 der von Vitis riparia GM 183 stammenden Erbanlage zuordnen. Damit haben Rgb1 und Rgb2 innerhalb der Sorte Börner denselben ursprünglichen Resistenzdonor.
Vitis riparia ist eine in weiten Teilen Nordamerikas verbreitete Wildrebe. Dort kommt auch der Erreger der Schwarzfäule ursprünglich vor. Durch die lange gemeinsame Entwicklung konnten sich bei nordamerikanischen Wildreben natürliche Abwehrmechanismen gegenüber der Krankheit ausbilden.
Rgb2 liegt auf Chromosom 16 und ist damit genetisch unabhängig von Rgb1 auf Chromosom 14. Beide Resistenzbereiche können bei einer Kreuzung getrennt voneinander vererbt werden. Für die Züchtung ist es deshalb wichtig, Nachkommen auszuwählen, welche möglichst beide Loci erhalten haben.
Wirkungsweise
Der Erreger der Schwarzfäule infiziert vor allem junge, wachsende Pflanzenteile. Auf den Blättern entstehen zunächst hellbraune bis rötlich-braune Flecken. Innerhalb dieser Bereiche bildet der Pilz später kleine schwarze Fruchtkörper, aus denen neue Sporen freigesetzt werden können.
Rgb2 beeinflusst die Fähigkeit des Erregers, sich nach einer Infektion im Pflanzengewebe weiterzuentwickeln. Die Wirkung ist quantitativ: Der Locus bildet keine vollständige Barriere, sondern trägt dazu bei, die Ausprägung der Krankheit zu vermindern.
Welche Gene innerhalb des Rgb2-Bereichs für die Schutzwirkung verantwortlich sind und welche Abwehrvorgänge sie steuern, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Rgb2 sollte deshalb derzeit als genetischer Resistenzbereich und nicht als einzelnes identifiziertes Resistenzgen verstanden werden.
Die bisher untersuchten Nachkommen zeigen, dass die Wirkung von Rgb2 besonders im Zusammenspiel mit Rgb1 von Bedeutung ist. Beide Loci beeinflussen die Widerstandsfähigkeit unabhängig voneinander und können sich in ihrer Wirkung ergänzen.
Resistenzwirkung
Die eigenständige Schutzwirkung von Rgb2 wird derzeit als mittel eingeschätzt. In der untersuchten Kreuzungspopulation erklärte der Locus etwa 13 % der beobachteten Unterschiede in der Schwarzfäuleresistenz. Damit war sein Einfluss geringer als der von Rgb1, aber dennoch statistisch eindeutig nachweisbar. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Besonders interessant ist die Kombination von Rgb1 und Rgb2. Nachkommen, die beide Resistenzloci geerbt hatten, zeigten insgesamt eine höhere Widerstandsfähigkeit als Pflanzen ohne diese Resistenzbereiche. Die Ergebnisse sprechen für eine additive Wirkung der beiden Loci. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
Rgb2 ist daher weniger als alleinige Hauptresistenz zu betrachten, sondern vielmehr als zusätzlicher Resistenzbaustein. In Verbindung mit Rgb1 kann der Locus die Gesamtwirkung verstärken und dazu beitragen, dass die Widerstandsfähigkeit nicht nur von einem einzelnen Chromosomenbereich abhängt.
Auch die Kombination mit weiteren, genetisch unabhängigen Schwarzfäule-Resistenzloci könnte für zukünftige Züchtungsprogramme interessant sein. Ziel ist eine möglichst starke und dauerhaft wirksame Resistenz gegen unterschiedliche Erregerpopulationen.
Verbreitung in Rebsorten
Rgb2 wurde bisher vor allem in der Unterlagssorte Börner und in daraus erzeugtem Zuchtmaterial untersucht. Börner selbst wird nicht zur Erzeugung von Trauben oder Wein angebaut, sondern als widerstandsfähige Unterlage für veredelte Reben verwendet.
Zugelassene Kelter- oder Tafeltraubensorten, für die Rgb2 eindeutig genetisch nachgewiesen und wissenschaftlich veröffentlicht wurde, sind derzeit nicht bekannt. Der Locus ist jedoch eine interessante Resistenzquelle für die zukünftige Züchtung von Rebsorten mit kombinierter Widerstandsfähigkeit gegen mehrere Pilzkrankheiten.
Da Rgb2 erst vergleichsweise wenig untersucht wurde, ist seine tatsächliche Verbreitung möglicherweise noch nicht vollständig bekannt. Weitere genetische Untersuchungen könnten zeigen, ob der Locus bereits in anderen Zuchtlinien vorhanden ist.






