Resistenzlocus Rpv 10.2 gegen Peronospora
Rpv10.2 = Resistance to Plasmopara viticola 10.2
Rpv10.2 ist eine 2024 beschriebene Resistenzvariante gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Sie wurde in der resistenten Zuchtlinie We 90-06-12 gefunden, die eine Abstammung von Vitis amurensis besitzt.
Der Resistenzbereich liegt auf Chromosom 9. Er befindet sich zwar in derselben Genomregion wie Rpv10, unterscheidet sich jedoch in gekoppelten Markerallelen und in der Sequenz eines untersuchten Kandidatengens. Deshalb wurde er nicht einfach als Rpv10 bezeichnet, sondern als eigenständige Haplotypvariante Rpv10.2.
Herkunft
Rpv10.2 wurde in der Zuchtlinie We 90-06-12 nachgewiesen. Diese Linie besitzt eine Rückkreuzungsabstammung von Vitis amurensis und zeigte in den Untersuchungen eine deutliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Plasmopara viticola.
Für die Kartierung wurde We 90-06-12 mit der anfälligen Vitis-vinifera-Sorte Tigvoasa gekreuzt. Die daraus entstandene Population umfasste 244 Nachkommen. Nach einer künstlichen Infektion der Blattscheiben unterschieden sich resistente und anfällige Nachkommen deutlich voneinander.
Durch die gemeinsame Auswertung der Resistenzprüfungen und der molekularen Marker wurde auf Chromosom 9 ein stark mit der Peronosporaresistenz verbundener Genombereich gefunden. Dieser Bereich wurde auf etwa 80 Kilobasen eingegrenzt.
Genetische Lage und Abgrenzung
Rpv10.2 liegt in einer Genomregion, in der zuvor bereits der Resistenzlocus Rpv10 lokalisiert worden war. Die räumliche Nähe allein bedeutet jedoch nicht, dass beide Resistenzvarianten genetisch identisch sind.
Bei Rpv10.2 wurden andere Allelgrößen an den mit dem Locus gekoppelten SSR-Markern festgestellt. Zusätzlich fanden die Autoren Unterschiede in der Sequenz eines Kandidatengens innerhalb des Resistenzbereichs. Aufgrund dieser Unterschiede wurde der Resistenzabschnitt als Haplotypvariante eingestuft und erhielt die Bezeichnung Rpv10.2.
Für die markergestützte Züchtung wurden Marker beschrieben, mit denen Rpv10.2 von dem bereits bekannten Rpv10-Haplotyp unterschieden werden kann. Dadurch ist es grundsätzlich möglich, beide Varianten bei der Auswahl von Zuchtmaterial getrennt zu verfolgen.
Wirkungsweise
Die Veröffentlichung weist Rpv10.2 als einen wichtigen genetischen Faktor für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Peronospora aus. Die Nachkommen mit dem entsprechenden Chromosomenabschnitt zeigten nach der künstlichen Infektion der Blattscheiben eine deutlich geringere Krankheitsentwicklung als anfällige Nachkommen.
Welche einzelnen Abwehrvorgänge Rpv10.2 in den Pflanzenzellen auslöst, wurde in dieser Untersuchung jedoch nicht im Detail analysiert. Insbesondere wurden keine eigenständigen Untersuchungen zum zeitlichen Ablauf der Abwehr, zur Bildung bestimmter Abwehrstoffe oder zu einer möglichen hypersensitiven Reaktion durchgeführt.
Rpv10.2 sollte daher derzeit als kartierter Resistenzbereich mit einem darin liegenden Kandidatengen beschrieben werden. Eine weitergehende Übertragung der für andere Rpv-Loci bekannten Wirkungsmechanismen auf Rpv10.2 wäre ohne zusätzliche Untersuchungen nicht ausreichend belegt.
Resistenzwirkung
Rpv10.2 wurde in der untersuchten Kreuzungspopulation als Major-QTL nachgewiesen. Das bedeutet, dass der Locus einen wesentlichen Einfluss auf die beobachtete Widerstandsfähigkeit der Blattscheiben gegenüber Plasmopara viticola hatte.
Die Schutzwirkung kann auf Grundlage dieser Untersuchung als hoch im verwendeten Blattscheibentest eingeordnet werden. Diese Bewertung bezieht sich jedoch auf die untersuchte Zuchtlinie, ihre Nachkommen und die verwendeten Versuchsbedingungen.
Aus der Veröffentlichung lassen sich noch keine abschließenden Aussagen darüber ableiten, wie stabil Rpv10.2 unter unterschiedlichen Freilandbedingungen, gegenüber verschiedenen Erregerpopulationen oder über viele Anbaujahre hinweg wirkt.
Ebenso wurde keine direkte Überlegenheit oder Unterlegenheit gegenüber Rpv10 nachgewiesen. Rpv10.2 ist vielmehr als genetisch unterscheidbare Variante zu betrachten, die zusätzliche Möglichkeiten für die Kombination verschiedener Resistenzhaplotypen bietet.
Züchtung und Verbreitung
Rpv10.2 wurde bislang wissenschaftlich in der Zuchtlinie We 90-06-12 sowie in Nachkommen der Kreuzung Tigvoasa × We 90-06-12 beschrieben.
Nach einer persönlichen Mitteilung von Dr. Manfred Sturm (LVWO Weinsberg) trägt auch die Rebsorte Sauvitage den Resistenzlocus Rpv10.2. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung mit einer detaillierten genetischen Charakterisierung der Sorte liegt hierzu derzeit jedoch noch nicht vor.
Für die Rebenzüchtung ist Rpv10.2 besonders interessant, da sich der Haplotyp mithilfe molekularer Marker eindeutig von Rpv10 unterscheiden lässt und dadurch gezielt mit weiteren Peronospora-Resistenzloci kombiniert werden kann.
Quellen
- Höschele et al. (2024): Rpv10.2 – A Haplotype Variant of Locus Rpv10 Enables New Combinations for Pyramiding Downy Mildew Resistance Traits in Grapevine
- Höschele et al. (2024) – frei zugängliche Volltextfassung
- Persönliche Mitteilung von Dr. Manfred Sturm, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO Weinsberg), 2026.






